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Dr. phil. Andrea Mercedes Riegel Die traditionelle Akupunkturlehre umfasst viele einzelne Lehren, die zusammen angewandt erst zu einer sinnvollen Akupunkturrezeptur und -therapie führen. Es sind notwendig Leitbahnentheorie, Punktelehre, Rezepturenlehre, chinesische Diagnostik und Nadeltechnik. Das, was sie jedoch letztlich ausmacht, ihr Ursprung, wird nur allzu häufig außer Acht gelassen, da dieser kaum mehr jemandem bekannt ist. Wie die gesamte TCM-Theorie entspringt auch die Akupunktur dem Yijing, wie wir bereits in vorangegangenen Ausgaben der CO'MED beschrieben haben. Die Zahlensymbolik und die Anordnung und Symbolik der Hexagramme und vor allem der acht Trigramme liefern uns die Basis für die Leitbahnentheorie, Punktekombinationen und Nadeltechniken. Auch spezielle Verfahren in der Akupunktur wie die Methode von Ebbe und Flut, die sich Leitbahnenpunkte und Zeit zunutze macht, ist eine direkte Anwendung des Yijing. Den chinesischen Ärzten der Antike waren die
Grundlagen des Yijing, d.h. nicht nur die Yin-yang-Theorie sondern auch
die Einbeziehung der 64 Hexagramme und der acht Basistrigramme,
geläufig und äußerst wichtig; denn damit war es möglich, das gesamte
Spektrum der Akupunktur als holistisches System auszuschöpfen. Der erste Schritt zu einer Trigramm- und
Hexagramm-Akupunktur ist der der Einbeziehung der kleinen
Mikroorganismen (Reflexzonen, wie wir sie heute nennen) des
menschlichen Makroorganismus. Es sind uns Karten überliefert in Form
von Luoshu- oder Hetu-Karten an bestimmten Körperstellen, so z.B. an
Nabel, Nase, Hand, Fuß, Ohr, Zunge oder Augen. Einige der Reflexzonen
sind uns bekannt, wenn auch mit etwas anderen Zuordnungen. Wir kennen
in der westlichen Naturheilkunde die Reflexzonen des Fußes und der
Ohren, weniger bekannt sind Hände oder Nase als Mikroorganismen. Die
Karte des Umbilicus (Abb.) ähnelt sehr den Reflexzonen der
Bauchdeckendiagnostik in der YNSA (Yamamoto´s New Scalp Acupuncture).
Ein komplettes System holistischer Akupunktur über das Yijing erhält man über die Einbeziehung der wichtigsten Elemente wie z.B. - Symbolik der Trigramme Wir hatten in vorangegangenen Artikeln bereits angesprochen, dass die Trigramme ursprünglich bestimmten Elementen der Natur zugeordnet waren, ihnen dann aufgrund dieser Zuordnung Eigenschaften zugesprochen wurden. Diese Zuordnungen nahmen sich die Autoren des Huangdi neijing Lingshu zum Vorbild, fassten zunächst die acht Trigramme zu fünf Wandlungsphasen zusammen und entwickelten auf dieser Basis entsprechende Temperamente oder Konstitutionstypen. Diese Konstitutionstypen haben eine bestimmte Krankheitsdisposition, auch Aussagen über die Lebenserwartung lassen sich treffen aufgrund des Anteils an Yang bzw. des Verhältnisses von Yin und Yang im Organismus. Bsp.: Personen, die zum Typ „Wind“ (sun) gehören, sind meist dünn und haben einen dunklen Teint. Die Körpergröße kann variieren, entweder sind sie sehr groß gewachsen oder unterdurchschnittlich klein. Die Pulsqualität ist deutlich saitenförmig. Sie haben die Charakteristiken des Windes, d.h. sie sind charakterlich spontan, sprunghaft, schnell und übersensibel. Sie haben Tendenz zur Entwicklung von Windkrankheiten, und da Wind mit Leber assoziiert ist, also zu Leber-Krankheiten. Wind kontrolliert Bewegung, also tendieren diese Konsitutionstypen zu Wind im Inneren. Modern interpretiert schließt das Symptome und Erkrankungen ein wie Bluthochdruck, Apoplex, Allergien und Erkrankungen des Nervensystems wie Hysterie oder Neurosen. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist kurz aufgrund des hohen Yang-Anteils im Körper. Man muss sich bei dieser Typisierung, wie sie im lingshu vorgenommen wurde, natürlich im Klaren sein, dass der moderne Mensch nicht nur einen einzigen Typus repräsentiert, sondern dass wir es meist zu tun haben mit einer Mischung aus mindestens zwei Typen. Hier ist das Element der Intuition und genauen Menschenbeobachtung gefragt, das bei der holistischen Akupunktur über das Yijing eine wichtige Rolle spielt. Den acht Trigrammen wurden fünf Elemente zugeordnet, den Elementen wieder Organfunktionskreise. Weitere Zuordnungen zu den Trigrammen finden wir bei den Leitbahnen Taiyang, Shaoyang, Yangming und Taiyin, Shaoyin und Jueyin. Wir haben zusätzlich die Zuordnung zu Körperteilen und zu Organen:
Die acht Trigramme und ihre Zuordnungen Die 64 Hexagramme erlauben direkte Aussagen über Gesundheits- bzw. Krankheitszustand und Verlaufsformen einer Erkrankung sowie über das weitere therapeutische Vorgehen. Dies geht aus den Kommentartexten hervor, die eine entsprechende Interpretation auf medizinischer Ebene erfordern. Diese Aussagen wurden in früherer Zeit stets vertrauensvoll genutzt. Was ist wichtig bei der Interpretation? - Gesamtaussage des Hexgramms Für die Interpretation auf der medizinischen Ebene ist zunächst auf die Trigramme zurückzugehen. Man berücksichtigt die Symbolik der Trigramme im Bereich des Organismus, d.h. die entsprechenden Körperteile, Leitbahnen und Organfunktionskreise; anschließend vergleicht man diese mit der Aussage zum Hexagramm und erhält dadurch die allgemeine Aussage zu einer Erkrankung. Letztlich setzt man die beiden Trigramme zueinander in Beziehung und erkennt so die Zusammenhänge der gestörten Funktionskreise. Um einen konkreten Fall zu interpretieren, ist die Anamnese mit einzubeziehen. Wir erhalten über die Anamnese (und evtl. Zungen-Pulsdiagnose) zwei grundlegende Aussagen: Es besteht entweder Hyperaktivität (Hitze) oder energetisches Defizit (Leere). Die Aussage über den Grund- oder aktuellen Zustand einer Erkrankung erhält man über das Grundhexagramm. Die Prognose ist im Wandlungshexagramm enthalten, das sich aus den Wandlungslinien des Grundhexagramms ergibt. Die Krankheitsursache findet sich verborgen im sog. „inneren Hexagramm“. Die Aussage über betroffene Funktionskreise und
über energetisches Defizit oder Hyperaktivität geben uns Auskunft über
die auszuwählenden Punkte und die entsprechende Stimulationsart. Für
Hyperaktivität ist der Sohnpunkt angezeigt, für energetisches Defizit
der Mutterpunkt. Im Bereich der Prävention lässt sich die Disposition des Patienten noch genauer bestimmen als über die Konstitutionstypen, nämlich über das Verfahren der Errechnung der persönlichen Schicksalszahl und deren Übertragung auf die Trigrammanordnung im Luoshu, also in der nachgeburtlichen Anordnung. Zahlenfelder, die frei bleiben, deuten auf eine Disposition zu energetischen Defiziten in den Funktionskreisen, die den Trigrammen der frei gebliebenen Zahlenfelder zugeordnet sind. Diese ist wichtig für den Bereich der Prävention. Die Luoshu-Anordnung gibt über die Karte der „Heiligen Schildkröte und des fliegenden Phönix“ bereits jeweils eine wirksame Punktekombination für jedes Trigramm an (s. CO’MED 11/05). Noch subtiler ist die Anwendung der entsprechenden Punktekombination zur gegebenen Zeit, in der sich die Kombination besonders „öffnet“, d.h. auf eine Behandlung besonders gut anspricht. Diese Öffnungszeiten ergeben sich im Rahmen der Chronobiologie. Da sich die Kombinationen alle 60 Schritte wiederholen, lassen sie sich in Form eines Kalenders darstellen. Zusammen mit dem Quellpunkt (yuan-Punkt) oder dem Versammlungspunkt (he-Punkt) der den defizitären Organen zugeordneten Leitbahnen macht dies die Präventionsbehandlung perfekt. Ebenfalls sehr subtil ist die Bestimmung
von Störungen in bestimmten Organkreisen in den neun Monaten der
Schwangerschaft. Hier setzen wir das Verfahren in der Hetu-Anordnung
der Trigramme, also der vorgeburtlichen Anordnung, ein. - optimale Krankheitsprävention aufgrund
entsprechender Auswertung
Literatur • Blofeld, John: I Ging. Das Buch
der Weisheit |